| Gebäudeart | Büro- und Geschäftsgebäude |
| Produkte | Fügekonstruktionen in Sonderanfertigung aus Duplex Edelstahl Rostfrei |
| Standort | Bonn, Deutschland |
| Fertigstellung | 2022 (voraussichtlich) |
Auf der Fläche des im März 2017 gesprengten Bonn-Centers entsteht seit Juni 2019 ein Gebäudekomplex mit Hochhaus und drei pentagonalen Flachbauten.
Dieser ist am Rande des ehemaligen Regierungsviertels in Bonn, an der Reuterbrücke am Bundeskanzlerplatz gelegen und soll voraussichtlich 2022 fertiggestellt werden.
Das Stadtquartier Neuer Kanzlerplatz ist derzeit eines der größten Bauprojekte Deutschlands und wird realisiert von der Projektentwicklungsgesellschaft Art-Invest Real Estate sowie dem Architekturbüro JWSD Architekten.
Es umfasst auf einer Bauhöhe von 101,5 Metern insgesamt 28 Etagen mit einer Nutzungsfläche von 66.000 m2.
Entstehen werden hier moderne Bürolösungen mit neuen Mobilitätskonzepten sowie Gastronomieangebote und Aufenthaltsmöglichkeiten,
um Bonns beste Adresse wieder mit Leben zu füllen.
Modersohn lieferte für das Großprojekt 19 Fügekonstruktionen in Sonderanfertigung, hergestellt in einem aufwendigen Schweißverfahren, gemäß Vorgabe vom Auftragsgeber.
Quelle: Impulsgeber - Das Neue Kanzlerplatz Journal (https://neuer-kanzlerplatz.de/impulsgeber/)
Das ursprünglich am Bundeskanzlerplatz befindliche Bonn-Center entstand in den Jahren 1968 und 1969 auf einem ehemaligen Schrebergartengelände. Es war das erste größere Geschäftszentrum nahe dem Regierungsviertel und daher auch zur Nutzung durch die Abgeordneten und Mitarbeiter des nahegelegenen Bundestages konzipiert.
Der Komplex beherbergte mehrere Botschaften sowie ein Hotel, Konferenzräume, ein Restaurant, ein Schwimmbad mit Sauna, ein Kino sowie verschiedene Ladenlokale; später auch ein Theater und ein Fernsehstudio.
Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin standen mehr und mehr Bereiche des Gebäudes leer; nach dem Auszug der Deutschen Post im Jahr 2012 waren nur noch 30% der Räumlichkeiten belegt und eine neue Nutzung nicht absehbar.
Im März 2017 wurde der Komplex daher gesprengt; die Räumung des Areals nahm ein Jahr in Anspruch.
Nach der Präparation der Baugrube im Jahr 2018 konnte 2019 endlich mit dem Hochbau begonnen werden. Entstehen wird nun ein Komplex mit zwei flachen Gebäuden und einem Hochhaus.
Nach der geplanten Fertigstellung im Jahr 2022 sollen fast zwei Drittel der Gesamtfläche durch die Postbank genutzt werden.
Mit seiner Höhe von 101,5 Meter wird das Hochhaus das dritthöchste Gebäude der Stadt sein; nach dem Post Tower (163 m) und dem als „Langer Eugen“ bekannten ehemaligen Abgeordnetenhochhaus (114 m).
Quelle: Impulsgeber - Das Neue Kanzlerplatz Journal (https://neuer-kanzlerplatz.de/impulsgeber/)
Bei den Fügekonstruktionen handelt es sich um sogenannte Schwarz-Weiß-Verbindungen.
Darunter versteht man die Schweißverbindung von unlegiertem oder niedrig legiertem Stahl (Normalstahl) mit austenitischem
oder teilferritischem Stahl (nichtrostender Stahl).
Zum Einsatz kamen bei diesem Projekt, gemäß Vorgabe vom Auftragsgeber, Duplexstahl (Werkstoff 1.4062, 1.4162, 1.4462)
bis zu einer Stärke von 35 mm für die Grundplatte sowie Normalstahl (S355J) bis zu einer Stärke von 60 mm für Bleche und
Anschweißplatte; zudem Betonstahl-Stäbe (B500B) mit einem Durchmesser von 28 mm und einer Länge von 1.400 mm.
Die Schwierigkeit beim Schweißen der Fügekonstruktionen bestand in den verschiedenen Materialien, die vom Auftraggeber vorgegeben waren, und in deren unterschiedlicher Materialstärke.
Schwarzes und weißes Material verfügen über einen unterschiedlich hohen Kohlenstoffgehalt.
Dieser wirkt sich auf das Schweißverhalten aus.
Um eine Martensitbildung zu verhindern, muss das schwarze Material – abhängig von der Materialstärke – erwärmt werden, ehe es
mit dem weißen Material verschweißt werden kann.
Das Vorwärmen verhindert ein zu schnelles Abkühlen der Schweißnaht und eine dadurch entstehende Versprödung.
Bei den Fügekonstruktionen für den Neuen Kanzlerplatz wurden die Normalstahl-Elemente daher vor dem Verschweißen auf eine Materialtemperatur von 120°C gebracht.
Um die benötigten Schweißnahtdicken von bis zu 16 mm zu realisieren, waren bis zu 22 einzelne Schweißlagen erforderlich. Nach jedem Schweißvorgang musste das Material erst wieder auskühlen, ehe die nächste Lage aufgebracht werden konnte. Ständige Kontrollen der Materialtemperatur des Duplexstahls durch Betriebsleiter Vitalij Pfeifer waren daher zwingend erforderlich, um sich innerhalb des zulässigen Temperatur-Toleranzbereichs zu bewegen.